Wir erhielten die traurige Nachricht, dass am 18. Juni im Alter von 82 Jahren (nach längerer Krankheit) Klaus Selignow in Potsdam verstorben ist. Er war viele Jahre Spieler in unseren "Vorgängervereinen" Rotation und DEFA.

Fußball-Babelsberg erlebte von 1949 bis 1958 die größten Zeiten. Als BSG Rotation schrieben die Kicker über neun Jahre das Kapitel in der höchsten Spielklasse mit. Für Furore in der DDR-Oberliga sorgte seinerzeit mit Klaus Selignow ein Stürmer aus altem Schrot und Korn. Selignow, der von Mitspielern und Anhängern nur „Selle“ gerufen wurde, ist am 18. Juni im Alter von 82 Jahren nach längerer Krankheit in Potsdam verstorben.

„,Selle‘ war ein äußerst sympathischer Zeitgenosse“, sagt mit Günter Simon ein ehemaliger Mitspieler. „Auf dem Platz war er pfeilschnell, und er konnte beidfüßig schießen. Die Gegner musste er gar nicht wirklich ausspielen. Er lief an ihnen einfach vorbei und verwertete die Superpässe von Regisseur Hans Schöne.“ So sammelte Selignow Tor um Tor.

38 Tore in einer Saison

Selignow spielte von 1951 bis zum Abstieg der Rotationer 1958 in der DDR-Oberliga und erzielte in 139 Spielen 48 Treffer. Schöne war selbst auf Torjagd gegangen. In der Spielzeit 1950/51 schaffte er mit 38 Treffern als Torschützenkönig einen Rekord für die Ewigkeit. „Selle“ erkletterte den Thron im Jahr 1955 mit zwölf Treffern. Diese schaffte er in der Übergangsrunde von August bis Dezember in nur 13 Partien. Anschließend wurde der Spielplan nach sowjetischem Vorbild dem Kalenderjahr angepasst.

„Selle“ war ein echter Babelsberger Junge. Er stammte aus der Fußballschule von Paul Bauschke und war technisch gut ausgebildet. Zusammen mit Gerhard Harbolla und dem heute 84-jährigen Simon, dem späteren „ewigen“ stellvertretenden Chefredakteur der „Fußball-Woche“, bildete Selignow ein junges Dreigestirn. Nachwuchsspielern wurde das Einleben erleichtert. „Die Eltern von ,Selle‘ luden die jungen Burschen sogar zum Mittagessen ein“, so Simon.

Ausbildung zum Requisiteur

Fußball war damals mit vielen Tücken verbunden. „Zu den Sonntagsspielen tuckerte der Bus bereits am Sonnabend mit 65 km/h über die Autobahn“, erzählte Selignow einmal. Manchmal wurde es eine Ochsentour. Auf der Rückfahrt von einem Spiel in Pößneck rutschte das Gefährt bei Schneegestöber von der Piste und blieb auf einer Wiese stecken. „Wir mussten zwei Nächte in Trainingsanzügen im Bus verbringen. Wasser holten wir aus einem nahen Dorf. Erst am Montag brachte uns ein Pkw aus der Heimat belegte Brote.“ An dem verunglückten Bus versuchten sich zwei Trecker vergeblich. Erst zwei Ochsen zogen das Fahrzeug aus dem Schlamm. Auch der Ikarus 55, den der Rat der Stadt den Rotationern schenkte, brachte kein Reisevergnügen. Da platzten fast auf jeder Fahrt die Bremsleitungen.

Beruflich war der gelernte Bäcker Selignow in der Buchhaltung der Defa angestellt. Später durchlief er eine Ausbildung zum Requisiteur. Finanziell war es für die Fußballer nicht weit her. Ein Prämiensystem gab es erst später in der Oberliga. „Bei einem Sieg sprangen 200 Mark heraus“, erinnerte sich Selignow. Dem Ball jagte er nach dem Abstieg weiterhin bei Rotation in der Bezirksliga hinterher. Beim Nachfolger BSG DEFA spielte Simon noch in den siebziger Jahren bei den Alten Herren mit.

MAZ-Redaktion